{"id":184,"date":"2007-07-03T15:54:00","date_gmt":"2007-07-03T13:54:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.oliver-ilan-schulz.de\/?p=184"},"modified":"2021-01-07T00:12:23","modified_gmt":"2021-01-06T23:12:23","slug":"artikel-fuer-taz-drogenrazzia-im-maria","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.oliver-ilan-schulz.de\/?p=184","title":{"rendered":"Drogenrazzia im Maria (Bericht \u2013 taz)"},"content":{"rendered":"\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Arm, aber sexy, aber s\u00fcchtig<\/h2>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">In der Nacht von Samstag auf Sonntag f\u00fchrte die Berliner Polizei im Club Maria am Ufer eine Drogenrazzia durch. Ergebnis und Einsatzdauer lassen an der Effizienz dieses Unterfangens zweifeln<\/h4>\n\n\n\n<p>VON OLIVER ILAN SCHULZ<\/p>\n\n\n\n<p>Wer in der Samstagnacht im Club Maria am Ufer weilte oder zur normalen Clubgehzeit dort hineinwollte, musste eine b\u00f6se \u00dcberraschung erleben. Denn dort stand um zwei Uhr morgens statt Techno pl\u00f6tzlich eine \u201eGro\u00dfrazzia\u201c \u2013 wie die Polizei selbstbewusst vermeldet \u2013 auf dem Programm. Ungef\u00e4hr 35 Polizeitransporter in Gr\u00fcn-Wei\u00df und Zivil blockierten die gesamte Schillingbr\u00fccke. 170 Beamte waren im und um den Club herum im Einsatz. Niemand kam mehr rein oder raus. Zur Begr\u00fcndung hie\u00df es auf Nachfrage von der Pressestelle der Polizei, Hinweise und Ermittlungen h\u00e4tten ergeben, dass im Club mit weichen und harten Drogen gehandelt w\u00fcrde.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr die massive Anzahl von Polizisten hatten die Beamten vor Ort eine Erkl\u00e4rung parat: So werde gew\u00e4hrleistet, dass verd\u00e4chtige Clubbesucher nicht so lange warten m\u00fcssten, bis sie bei der Durchsuchung drank\u00e4men. Tats\u00e4chlich brauchten die 170 Beamten bei ihrem Einsatz f\u00fcr die 150 G\u00e4ste (polizeiliche Sch\u00e4tzung) und letztlich 123 \u00fcberpr\u00fcften Personen schlappe vier Stunden. W\u00e4re auf jeden Gast nur eine Einsatzkraft gekommen, h\u00e4tte das Ganze also sogar f\u00fcnfeinhalb Stunden gedauert. Da h\u00e4tte man dann schon \u00fcber die Bereitstellung von Dixieklos und Gulaschkanonen nachdenken m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n<p>Respekt f\u00fcr so viel Gr\u00fcndlichkeit und vor allem f\u00fcr die Erfolgsbilanz der Polizei: Es wurden zw\u00f6lf Ermittlungsverfahren wegen Versto\u00dfes gegen das Bet\u00e4ubungsmittelgesetz eingeleitet und zwei Anzeigen wegen Drogenhandels erstattet. W\u00e4ren die alle Gro\u00dfdealer, w\u00fcrde uns das bedenklich stimmen. Davon ist allerdings nicht auszugehen. \u201eEs wurden keine relevanten Mengen Drogen gefunden, deshalb wird der Club auch nicht geschlossen\u201c, sagte der Betreiber der Maria, Ben Biel.<\/p>\n\n\n\n<p>Ohne den Konsum von Drogen und seine Gefahren verharmlosen zu wollen: Sicherlich h\u00e4tte eine Razzia in mancher Kneipe ein \u00e4hnliches Ergebnis gezeitigt \u2013 und wie war das doch gleich im Bundestag? Zur \u00dcberraschung der Betreiber durchsuchten die Beamten dann noch gezielt die Betriebsr\u00e4ume des Clubs. Weniger \u00fcberraschend, dass sie nicht f\u00fcndig wurden: H\u00e4lt man in Berlin die Betreiber eines legalen und etablierten Clubs wirklich f\u00fcr so dumm, dass sie ihren G\u00e4sten selbst Drogen verkaufen? Nein, Drogen sind ein Gro\u00dfstadtph\u00e4nomen, dem man im Clubkontext wohl besser durch Pr\u00e4vention und Dialog mit den Betreibern und Publikum begegnet als durch derartige Hauruckaktionen. Da dr\u00e4ngt sich der Verdacht auf, dass hier f\u00fcr die Clubszene (oder eine bestimmte Clubszene oder an einem bestimmten Club?) ein Exempel statuiert werden sollte.<\/p>\n\n\n\n<p>So etwas hat es in Berlin schon lange nicht mehr gegeben. Und dabei schien es, dass sich auch auf h\u00f6chster Ebene inzwischen die Einsicht durchgesetzt hat, wie wichtig gerade die (Sub-)Kultur f\u00fcr Berlin aka \u201earm, aber sexy\u201c ist. Erst vor 14 Tagen hat sich der Berliner Wirtschaftssenator Zeit genommen, um neue Zahlen f\u00fcr die Kreativwirtschaft vorzustellen. Wenn wir auch bei dieser aufregenden Pressekonferenz nicht selbst dabei waren, haben wir auf der Webseite des Senats nachgeschaut, der man die sicherlich mit stolz geschwellter Brust verk\u00fcndeten Statistiken noch ansehen kann: 16 Milliarden Euro Umsatz (Tendenz steigend) haben die Kreativen 2005 erwirtschaftet \u2013 und damit 20 Prozent des Berliner Bruttoinlandsprodukts. 200.000 Besch\u00e4ftigte z\u00e4hlt die Branche, rechnet man die Freien und Selbstst\u00e4ndigen mit dazu, was nat\u00fcrlich unerl\u00e4sslich ist, denn wo gibt es im Kulturbereich schon noch Festanstellungen?<\/p>\n\n\n\n<p>Vielleicht wei\u00df in Berlin ja wieder einmal eine Hand nicht, was die andere tut. Oder man m\u00f6chte die subkulturell inspirierten Clubs jetzt, nachdem die Pionierarbeit geleistet ist, loswerden und durch sauberere ersetzen. Oder hat das Booking der Polizei nicht gefallen? Wir h\u00e4tten den DJ aus Detroit und seine Berliner Kollegen jedenfalls gern gesehen. Wir hatten aber dann doch nicht die daf\u00fcr an diesem Abend notwendige Geduld: Nachdem die Polizei ihre Aktion gegen sechs Uhr beendet und alle Leute nach Hause geschickt hatte, gab sie den Betreibern die Erlaubnis, die Anlage wieder einzuschalten. Danke.<\/p>\n\n\n\n<p>Publiziert in: <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"http:\/\/www.taz.de\/1\/archiv\/print-archiv\/printressorts\/digi-artikel\/?ressort=ku&amp;dig=2007%2F07%2F03%2Fa0189&amp;cHash=fec90b439b\" target=\"_blank\">taz, 3. Juli 2007<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Arm, aber sexy, aber s\u00fcchtig In der Nacht von Samstag auf Sonntag f\u00fchrte die Berliner Polizei im Club Maria am Ufer eine Drogenrazzia durch. 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