{"id":175,"date":"2008-05-10T15:26:00","date_gmt":"2008-05-10T13:26:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.oliver-ilan-schulz.de\/?p=175"},"modified":"2021-01-07T00:01:22","modified_gmt":"2021-01-06T23:01:22","slug":"portraet-g-rag-y-los-hermanos-patchekos-dos-hermanos-walter-rufer","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.oliver-ilan-schulz.de\/?p=175","title":{"rendered":"G. Rag y los Hermanos Patchekos, Dos Hermanos, Walter Rufer (Portr\u00e4t \u2013 FAZ)"},"content":{"rendered":"\n<h2 class=\"wp-block-heading\">M\u00fcnchner Genrefreiheit<\/h2>\n\n\n\n<p>In M\u00fcnchen sind G.Rag y los Hermanos Patchekos Lokalhelden. Beim Konzert zum aktuellen vierten Album \u201eLucky Goddamn\u201d laufen die Kammerspiele \u00fcber. Der bayerische Kultregisseur Franz X. Bogner (unvergessen: \u201eIrgendwie und Sowieso\u201d) verpflichtet die Band f\u00fcr den Soundtrack seiner Serie \u201eM\u00fcnchen 7\u2033, die prompt den Grimme-Preis bekommt. Und auch Oberb\u00fcrgermeister Ude sch\u00e4tzt die Musiker, wenn er wieder mal seinem Hobby als Kabarettist fr\u00f6hnt. Was muss das f\u00fcr eine Band sein, die sich \u00fcber Generationsgrenzen hinweg in die Herzen der Menschen spielt?<br>Seit dem Jahr 2000 scharen sich ungef\u00e4hr ein Dutzend Musiker um Andreas \u201eG.Rag\u201d Staebler. Der spielt wie alle anderen live im Sitzen und singt \u00fcber ein Megaphon. Der Schlagzeuger bearbeitet \u201eSchrott\u201d, unterst\u00fctzt von Percussion und Kontrabass, dazu gesellen sich Exoten wie Steeldrum, Banjo und Lapsteel. Nicht zu vergessen ein versierter Bl\u00e4sersatz mit wahlweise Trompeten, H\u00f6rnern oder Melodicas. Das Repertoire gleicht einem musikalischen Wolpertinger. Es reicht von Hank Williams bis No Means No, liebevoll aufbereitet f\u00fcr diese eigenwillige Folk-Big-Band. Augenzwinkernd und undogmatisch lassen G. Rag und seine Mannen Outlaws, Traditionals und Punk-Spirit wieder auferstehen. Nahtlos f\u00fcgen sich eigene Instrumentals und Songs ein, die in einem transnationalen Idiom intoniert werden. Auf den Platten klingt die Band so charmant untermotorisiert wie der alte Omnibus auf einem der fr\u00fcheren Cover. Der Sound entwickelt damit eine W\u00e4rme, die das genaue Gegenteil der aufgepeppten Retortenproduktionen aus dem Radio ist. Live entfalten G.Rag y los Hermanos Patchekos vor allem dank den Bl\u00e4sern eine unwiderstehliche Pr\u00e4senz. Der herzzerrei\u00dfenden Soli wegen schimpft sich die erste Trompete nur noch \u201eDie Sau\u201d.<br>Weil es anstrengend ist, immer mit einer Band in der Gr\u00f6\u00dfe einer Fussballmannschaft unterwegs zu sein, gibt es seit ein paar Jahren den Ableger Dos Hermanos. Ein Sponti-Projekt von G.Rag und dem Band-Gitarristen J\u00f6rg Wizigmann \u2013 ein Veranstalter beschrieb es einmal als \u201eLo-Fi-Verwirrung\u201d. Tats\u00e4chlich ziemlich gewagt, wenn sich die beiden neben Gesang und Gitarrenspiel Stra\u00dfenmusikern gleich die Schlagzeugfunktionen aufteilen. So rumpeln sie m\u00e4\u00dfig pr\u00e4zise, aber voll trashiger Inbrunst durch Songs von Woody Guthrie oder Trio. Zu den launigen Texten ihrer eigenen Kompositionen passt, dass sie zwischen den St\u00fccken (unisono!) aus den Gedichten des M\u00fcnchner Boh\u00e8me-Schriftstellers Walter Rufer vorlesen. \u201eDer Himmel ist blau, ich auch\u201d hei\u00dft Rufers urspr\u00fcnglich 1963 ver\u00f6ffentlichtes Buch, das den Dos Hermanos in die H\u00e4nde fiel, die es nun zusammen mit dem Blumenbar Verlag neu auflegten. In lakonisch gereimten Tagebuchnotizen verewigte der trinkfreudige Poet seine Beobachtungen und Sinnspr\u00fcche, wie etwa folgenden Limerick von einem 12. Mai: \u201eEhe sie eine Ehe war \/ war ihre Beziehung wunderbar \/ und dann: \/ nur noch dann \/ und wann.\u201d Keine gro\u00dfe Dichtung also, eher verkaterte Lebensweisheiten mit Dada-Appeal und beim Leser so mancher Lacher \u00fcber eine gute Portion absurden Humor.<br>\u00dcber die Bemerkung, ihre Projekte w\u00fcrden poppiger, k\u00f6nnen die Musiker des G.Rag-Mikrokosmos ebenfalls nur herzlich lachen. Sie wissen wohl einfach, woher sie kommen \u2013 Punk-Combos, Indie-Bands, Blaskapelle -, und das macht jede Theoriediskussion \u00fcber das Lieblingsunwort der Jugend(?)-Kultur \u00fcberfl\u00fcssig. \u201eFreunde selbstgemachter Unterhaltung\u201d lautet das Motto ihres kleinen Labels Gutfeeling Records: Sie wissen, was sie tun, vor allem aber tun sie es gern. Das merkt man.<\/p>\n\n\n\n<p>olian<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Infos:<\/strong><br>G. Rag y los Hermanos Patchekos: \u201eLucky Goddamn\u201d (Gutfeeling Records \/ Broken Silence)<br>Walter Rufer: \u201eDer Himmel ist blau, ich auch\u201d (Blumenbar), mit Dos Hermanos-CD \u201eWalter Rufer EP\u201d<\/p>\n\n\n\n<p>Publiziert in: FAZ, 10. Mai 2008<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>M\u00fcnchner Genrefreiheit In M\u00fcnchen sind G.Rag y los Hermanos Patchekos Lokalhelden. Beim Konzert zum aktuellen vierten Album \u201eLucky Goddamn\u201d laufen die Kammerspiele \u00fcber. Der bayerische Kultregisseur Franz X. Bogner (unvergessen: \u201eIrgendwie und Sowieso\u201d) verpflichtet die Band f\u00fcr den Soundtrack seiner Serie \u201eM\u00fcnchen 7\u2033, die prompt den Grimme-Preis bekommt. 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