Hey-O-Hansen: „Sonn und Mond“

Milch und Honig

Es muss doch mal ganz ohne Machotum erlaubt sein zu fragen: Machen Hey-O-Hansen Mädchenmusik? Denn egal ob daheim oder in der Lounge, egal in welchem Land – immer wenn ein Stück von ihnen gespielt wird, schrecken junge Damen auf und erklären verträumt, aber bestimmt: „DAS ist jetzt eine wirklich schöne Musik!” Um es mal ganz nüchtern zu sagen: Die Musik des Duos Hey-O-Hansen strahlt eine an Anarchie grenzende künstlerische Freiheit aus und ist trotzdem jede Sekunde purer Genuss. Sie macht sich durch ihre Persönlichkeit bemerkbar und ist dabei weder aufdringlich noch gefällig. Seit fünfzehn Jahren arbeiten der Tontechniker Helmut „Hey” Erler und der Maler Michael „Hansen” Wolf zusammen an diesem Projekt, das Hamburger Label Pingipung hat nun sechzehn Höhepunkte ihres Schaffens auf einer CD vereint. Die Bandbreite reicht von den Anfängen in Ska- und Rocksteady-Bands bis zur elektronisch verdichteten Reduktion des Titelsongs „Sonn und Mond”. Doch allesamt sind es Pop-Schmuckstücke, ob der österreichischen Herkunft der (inzwischen aber längst in Berlin angelangten) Protagonisten grob unter dem Begriff „Austro-Dub” zusammengefasst.
Bei „Gone away” erfüllt eine Fanfare einen weit aufgespannten, mit Echos erfüllten Raum. Darunter blubbern die Bässe, darüber perlt Simonetta Ginellis Harfenspiel, haucht ihre Stimme einen melancholischen Text. Doch drei Minuten später und viele Soundkilometer weiter ist der Spielmannszug zu Hause angekommen: Der Raum wirkt intimer, das Blech mutierte zur Melodika, und keine Sekunde haben wir unser unbewusstes Offbeat-Nicken eingestellt. Eine inbrünstig wiegende Prozession über einem vor Hitze leicht klebrigen Asphalt. Der Subwoofer erzittert beflissen, im Kopfhörer hören wir Unerhörtes, und zusammen klingt es wie eine Offenbarung aus einem Land, in dem Milch und Honig fließen. Das eine ist schön, das andere wäre es.

Hey-O-Hansen: „Sonn und Mond” (Pingipung / a-Musik, Kompakt)

>> olian

Publiziert in: FAZ, 10. Oktober 2009

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